Denkgewohnheiten haben es an sich, dass man sie nicht  als solche erkennt sondern sie für die einzig mögliche Art hält, sich mit der Welt auseinanderzusetzen. Solange man in einer Welt lebt, in der alle Menschen die gleichen Muster für Denken , Planen und Handeln zugrundelegen, ist das auch nicht weiter schlimm.

Probleme kann es geben, wenn uns Menschen mit deutlich anderen Strategien zur Wirklichkeitsbewältigung gegenübertreten. Im schlimmsten Falle merken wir gar nicht, dass wir ein Problem haben, dann ist Anlass zu  echter Sorge gegeben. Vielleicht sehen wir aber doch, dass sich da Merkwürdiges tut und versuchen es innerhalb unserer Wahrnehmungsmuster zu interpretieren. Das kann zu guten Ergebnissen führen, muss aber nicht.  Der Königsweg – das ist schon klar – ist es natürlich, das eigene Denken zu relativieren und die Denkmuster des Gegenüber, der eben oft auch ein Gegner oder Wettbewerber ist, in ihrer Eigenart zu erkennen und innerhalb seiner kulturellen Vorgaben auf ihn zu reagieren.

Es folgt hier ein Plädoyer dafür, das alte asiatische Spiel GO oder auch Weiqi zu DER geistigen Sportart Europas zu machen und bis zum Ende diesen Jahrzehnts einen von unseren Leuten zum unangefochtenen Weltmeister in dieser Disziplin werden zu lassen.

Lachhaft, albern, was soll der Quatsch?

Zunächst ein paar Worte zu westlichen und östlichen Denkgewohnheiten, die das Lesen ganzer Bibliotheken leider nicht ersetzen können:

Wir hier denken linear, folgerichtig und im Kriegsfall final destruktiv – solange draufhauen, bis der andere sich nicht mehr bewegen kann. Das ist Schach. Zwei Heere, feudal verfasst mit differenziert ausgestalteten Spezialfertigkeiten und einem klaren Ziel: Den feindlichen König zunächst seiner Entourage zu entkleiden und ihn dann in die Ecke zu drängen, bis ihm nur noch die demütigende Kapitulation bleibt.  So marschieren wir in andere Länder ein, so gestalten wir Marketingkampagnen und so planen wir Firmenübernahmen. So oder so ähnlich.

Das vergleichbar wichtige und denkgrundlegende Brettspiel Ostasiens heißt Weiqi, bei uns besser bekannt als GO. GO funktioniert völlig anders als Schach. Zwei Bauern stecken ihre Claims ab und legen fest, wer wieviele der 19×19 Kreuzungspunkte des Spielfeldes bekommt. Es gibt auch nur eine Art von Spielstein, entweder in Schwarz oder in Weiß. Sehr simpel, auf den ersten Blick ein wenig dröge. Keine Fanfarenstöße, wenn die Kavallerie vorrückt, nichts Brachiales, was an die wuchtigen Bewegungen eines Turms erinnert. Nur eine Schokolinse dahin, eine dorthin, eine andere ganz woanders hin. Damit kommen wir zum Problem. Der Gegner baut keine Kastelle, keine Deckungsketten, die man von hinten her aufrollen könnte, nichts, was entfernt an Verdun erinnert. Nein, er legt nur unerbittlich diese Steinchen scheinbar irgendwohin. Und ich versuche ihn zurückzudrängen, versuche selbst Terrain zu umschließen. Und sehe mich auf einmal umschlossen, weiß nicht mehr ein und aus, sehe meine Steine unrettbar verloren. Oder ich triumphiere, weil der Feind kampflos eine ganze Gruppe von sieben seiner Steine preisgibt. Jawoll, ich hab sie gefangen!! Und sehe, dass er in der gleichen Zeit in aller Ruhe acht Felder für sich reklamieren konnte. Ein kleiner Gewinn für ihn, ein großer Verlust für mich. Ich baue einen Zaun, aber er hat die Weide.

GO ist unerbittlich harmonisch, Weltklassespieler trennen sich mit wenigen Punkten Unterschied voneinander, nachdem sie weit über dreihundert Spielsteine auf das Brett gelegt haben. Und die fanden das keinen Moment lang dröge, gar nicht.

China spielt Weiqi mit der Welt. Die Welt antwortet mit Schach oder mit Poker. Mit Poker? Klar doch, oder fällt Ihnen eine bessere Beschreibung der US-amerikanischen Außen- und Wirtschaftspolitik zwischen der Kuba-Krise und den letzten Haushaltsberatungen ein? Während bei Schach die Argumente von Anfang an klar auf dem Brett zu sehen sind und sie sich bei Weiqi zumindest im Spielverlauf eindeutig zu erkennen geben, bezieht Poker seinen Reiz aus anderen Quellen: Die Gegner wissen so gut wie gar nicht, was der jeweils andere tatsächlich auf der Hand hat. Scheinbares Erschrecken, wenn man das eigene Blatt erstmals sieht, hochmütiges dünnes Lächeln, das dem Mitspieler signalisiert, dass er schon längst verloren hat und besser weitere Verluste durch frühzeitiges Aufgeben vermeiden sollte, das sind wichtige Strategieelemente beim Pokern.

Nicht, dass dem chinesischen Denken der Begriff der List fremd wäre, ganz und gar nicht. Aber selbst Anhänger von Sun Tsus 36 Strategemen fänden es dreist, mit nichts als zwei lausigen roten Siebenern eine ganzes Spiel für sich entscheiden zu können. „Winner takes all“ ist ein Poker-Prinzip, das uns im amerikanischen Mehrheitswahlrecht wieder begegnet und eben auch kein Hinweis auf eine Denkhaltung ist, die eine Vielzahl von Anschauungsschattierungen in den politischen Gestaltungsprozess einfließen lassen will.

Immer wieder hat China sich in der Vergangenheit gegen westliche Lösungsansätze internationaler Konflikte ausgesprochen, zuletzt gegen ein militärisches Eingreifen in Libyen. Tatsächlich zeichnet sich chinesische Außenpolitik in historischer Perspektive durch eine bemerkenswerte Friedfertigkeit aus, die man den Europäern und Amerikanern beim besten Willen nicht nachsagen kann. Ist hier ein politisches Denken zu beobachten, das dem weitsichtigen Einkreisen gegnerischer Positionen und dem Verfolgen langfristiger Ziele den Vorrang gibt vor dem raschen, oft unbedachten Vorpreschen und dem harten Zuschlagen? Ich lade Sie ein, hier eine Parallele zu den Spielprinzipien von Weiqi zu sehen.

Wie vertritt China denn seine Interessen im internationalen Raum? Wie hat Japan, die andere Weiqi -Großmacht, dieses nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgreich verstanden? Japan hat seine Verpflichtungen zu Reparationsleistungen mit seinem Bedürfnis nach gesicherten Rohstoffbezügen auf äußerst geschickte Weise verbunden: den Ausbau eines Hafens in einem südostasiatischen Lande hier, großzügige Investitionen in eine Industrieanlage dort und den Kauf einer Erzmine zu günstigen Konditionen ganz woanders. Gleichzeitig die Gründung von kleineren Handelsstützpunkten in London, San Francisco und Düsseldorf. Und ein Vierteljahrhundert später wurde ein Schuh draus und Japan zu einem der größten Automobillieferanten der Welt. Chinesische Politiker besuchten in der letzten Zeit eine ganze Reihe afrikanischer Staaten, denen Europa nicht mehr viel geboten hat außer Almosen, die dazu noch an strenge Auflagen gebunden waren, und Handelsabkommen, deren Vorteil nicht immer sofort einleuchtet. China verschenkt eine Eisenbahnlinie hier und kauft eine Kohlegrube dort, mischt sich wenig ein in komplizierte innere Angelegenheiten anderer Leute, hält aber den eigenen langfristigen Vorteil im Auge.

Traditionell gab es  nur wenige wirtschaftliche oder kulturelle Beziehungen zwischen China und Lateinamerika. Vor ungefähr 15 Jahren müssen chinesische Diplomaten und Wissenschaftler damit begonnen haben, sich mit den Staaten Südamerikas intensiver zu befassen. Unbemerkt von den Analytikern des Westens. Und dann, für uns ganz plötzlich, gab es 2008 ein chinesisches Weißbuch für eine künftige Lateinamerikastrategie und sehr kurz darauf den Besuch einer chinesischen Delegation bestehend aus 40 Ministern und 600 Unternehmensvertretern in den wichtigsten Hauptstädten des südamerikanischen Kontinents. Inzwischen ist China im Begriff, die EU als zweitwichtigsten Handelspartner Lateinamerikas nach den USA abzulösen (1). Was für eine Überraschung, nicht wahr?

Die Fiji-Inseln sind auch für sehr reiselustige deutsche Pauschaltouristen ziemlich weit weg. Und im Alltag unseres außenpolitischen Denkens spielen sie so gut wie gar keine Rolle, warum auch. China ist zwar etwas näher an diesen Südseeparadiesen dran, aber warum das größte Volk der Erde sich für diese paar Palmenstrände interessieren sollte, erschließt sich auf den ersten Blick nicht. Warum schenkt China dann aber der University of Fiji im Mai diesen Jahres rund 200 Bücher zur chinesischen Geschichte und Kultur in chinesischer Sprache und eigens angefertigten Übersetzungen ins Englische und Französische? Warum will China in Kürze ein Konfuzius-Institut auf den Fijis eröffnen? Kann es sein, dass die Verantwortlichen im chinesischen Außenministerium ganz genau wissen, dass die University of Fiji die gemeinsame Universität für 13 Südseestaaten ist? Kann man sich vorstellen, dass China sich die künftigen politischen Eliten dieser Staaten gewogen machen möchte? 13 Staaten, auch wenn die Gesamtbevölkerung vielleicht nur der Einwohnerzahl von Gelsenkirchen entspricht, sind in der UN-Vollversammlung eine diplomatische Großmacht. Legt hier jemand seine Schokolinsen auf einen Teil des Spielbretts, an den wir noch gar nicht gedacht haben? (2)

Wenn nun also in den Spielprinzipien des Weiqi tatsächlich ein Strategiedenken angelegt sein sollte, das sich von den elementaren Denkweisen von Poker und Schach wesentlich unterscheidet und zu einigen Erfolgen führt, dann müsste die Mühe sich doch lohnen, dieses Denkformen in Grundzügen zu erwerben. Und wirklich – es gibt eine Reihe von Büchern, die sich an den eiligen Manager richten, der diese Erfolgsrezepte en passant seinem Portfolio einverleiben möchte, gerade so wie es auch die Kriegslehren des Sun Tsu für angehend Betriebswirte fast and easy im Handel gibt.  Machen wir uns nichts vor: die Anschaffung cooler Sportbekleidung und die Lektüre motivierender Artikel einschlägiger Magazine bringen noch keinen wirklichen Fortschritt in Sachen Fitness. Man kommt nicht drum herum, selbst loszulaufen und diese Gewohnheit über Jahre zu kultivieren. Niemand versteht die Relativitätstheorie bloß deshalb, weil er ohne Socken in die Schuhe schlüpft.

Erst die intensive Befassung mit dem GO/Weiqi-Spiel ermöglicht ein Erspüren der dem Spiel zugrunde liegenden Logik. „Erspüren“ klingt nicht sehr analytisch, trifft die Sache aber doch genau. Auch wenn man die Aussagen von Mathematikern zur Komplexität von Brettspielen mit einer gewissen Vorsicht genießen muss, sind sie in der Tendenz deutlich und eindrucksvoll: für das Schachspiel wird eine Summe legaler Stellungen in der Größenordnung von 10 hoch 50 angenommen und bei durchschnittliche 30 bis 40 Möglichkeiten pro Zug kann man sich auf rund 10 hoch 123 alternative Partien freuen. Das ist eine Eins gefolgt von 123 Nullen, damit kann man locker die Atome des bekannten Universums und einer ganzen Menge denkbarer Parallelwelten durchnummerieren. Für Weiqi wird die Anzahl möglicher legaler Spielstellungen mit 2,1 mal 10 hoch 170 angegeben. Das sind einige Unermesslichkeiten mehr als beim Schachspiel. Allein die Eröffnung macht einen atemberaubenden Unterschied: kann ich bei Schach auswählen, welchen von acht Bauern ich um ein oder zwei Felder vorrücken lasse oder ob ich einen von zwei Springern in Rechts- oder Linksauslage ziehe, ich also zwanzig Eröffnungsvarianten habe, so stehen mir bei Weiqi 361 Kreuzungspunkte offen, auf denen ich die Partie beginnen kann. Der Schachweltmeister Emanuel Lasker hat den Unterschied zwischen beiden Spielen wie folgt auf den Punkt gebracht: „Schach ist auf die Bewohner dieser Welt beschränkt, GO aber geht irgendwie darüber hinaus. Wenn es auf anderen Planeten denkende Wesen gibt, dann kennen sie GO“ (3)

Ein solches Spiel lässt sich durch Verstandeskräfte allein nicht meistern. Auch wenn das Schachspiel und unser dadurch repräsentiertes Denken selbstredend auch eine enorme Komplexität und Wirksamkeit hat, so gewinnen Intuition und Kreativität bei GO eine ganz wesentlich eigene und spielentscheidende Bedeutung. Weiqi Spieler sind sich einig darüber, dass EIN Leben nicht ausreicht, dieses Spiel wirklich zu beherrschen. Mit Menschen, deren Kulturkreis solche Denkstrukturen hervorgebracht hat, teilen wir uns künftig globalisierte Märkte und den einzig brauchbaren Planeten in der näheren Umgebung.

Es macht viel Sinn, sich mit diesem Spiel und den dahinterliegenden Denkgewohnheiten zu beschäftigen.

Das mögen sich Ende des 19. Jahrhunderts kluge Menschen in Japan vielleicht auch gedacht habe, als sie angefangen haben, ihren Töchtern das Piano spielen beibringen zu lassen und sie im Laufe der Zeit zur Weltspitze der Interpreten europäischer Klassiker fortzuentwickeln. „Wenn wir dem technisch und militärisch überlegenen Westen ernstlich etwas entgegensetzen wollen, dann müssen wir uns mit der westlichen Kultur auch in denjenigen Aspekten auseinandersetzen, die nicht vordergründig und unmittelbar der Erhöhung unserer Feuerkraft dienen, weil das eine anscheinend irgendwie mit dem anderen zusammenhängt“ -so mag man diese Überlegungen zusammenfassen. (4) Andere Beispiele der gelungenen Adaption westlicher Kulturinhalte durch Nachahmer in Ostasien sind das In England erfundene Tischtennisspiel und die ganze Bandbreite Schweizer Uhren.

Wir hatten Anfangs dieser kleinen Betrachtung überlegt, ob es denkbar wäre, bis 2020 einen Europäer, einen Deutschen gar, an die Spitze der Weltrangliste in der Disziplin Go/Weiqi zu bringen. Wenn wir nun überlegen, in welchem Ausmaß wir hierzu unser Schulsystem umbauen müssten, welch unerhörte Anstrengungen unsere Gesellschaft auf dieses Ziel hin unternehmen müsste und welcher Grad an eiserner Entschlossenheit hierzu notwendig wäre, dann verlässt uns rasch der Mut. Das schaffen wir nicht, eher bringen wir bis dahin diesen Kleinstadtbahnhof in Süddeutschland irgendwie renoviert.

Und wie werden wir uns fühlen, wenn der Schachweltmeister 2020 einen japanischen, koreanischen oder chinesischen Namen trägt? Wie alter Adel, der die Verdienste vorangegangener Generationen gänzlich aufzuzehren im Begriff ist?

Düstere Gedanken, die zu verscheuchen zu guter letzt ein Gebot der Höflichkeit des Autors gegenüber dem Auditorium ist: es gibt eine ausgesprochen lebhafte GO/Weiqi Szene in Europa und speziell in Deutschland. Das ist eine gute Nachricht. Und es ist ermutigend, dass Unternehmen und wirtschaftsnahe Institutionen bereit sind, diese Entwicklung zu unterstützen.

Eine Anregung zum Schluss: Wenn Sie als Unternehmer demnächst eine Stelle neu zu besetzen haben, dann achten Sie doch einmal darauf, ob eine der Bewerbungen eine Freizeitkompetenz in GO aufweist. Vielleicht kann das wichtig werden für die Zukunft der Firma.

-.-.-

Hans-Peter Merz 3.10.11

Vortragsmanuskript anlässlich des internationalen GO Turniers am 8./9. Oktober 2011 im Landesspracheninstitut in Bochum

Ausgewählte Hinweise:

(1) Christian von Haldenwang, „China und Lateinamerika – ein Verhältnis auf Augenhöhe?“ ZEIT online, 14.10.2010

(2) Roland Seib, „China im Südpazifik – kein neuer Hegemon am Horizont“ Hessische Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung, HSFK Report Nr.9/2009. Wobei ich aus der Analyse des Autors zum Teil abweichende Schlussfolgerungen ziehe.

(3) zitiert nach Rüdiger Vaas, „Wohlan! Noch einmal“ – Im Spiel des Lebens, Anthropologische Aspekte des Homo ludens, UNIVERSITAS Bd. 66, Nr. 777, März 2011, S. 26, wo sich auch weitere Erörterungen zur Komplexität der beiden Spiele finden.

(4) Für eine fundiertere Betrachtung speziell der intellektuellen Aufholjagd Japans gegenüber dem Westen sei exemplarisch auf das Discussion Paper No. IS/98/349, März 1998 des Suntory Center an der London School of Economics and Political Science über die Iwakura Mission in Britannien 1872 verwiesen.

The Heritage Foundation hat eine hochinteressante interaktive Landkarte veröffentlicht, die chinesische Investitionen in verschiedenen Ländern und Wirtschaftssektoren zeigt.

Im gleichen Maße wie in der westlichen Welt Glaubensgewissheiten sich flächendeckend auflösen wächst der diesseitige Lebenshunger. Wenn es kein Jenseits mehr gibt, mit keiner zweiten Chance im Rahmen einer Wiedergeburt gerechnet werden kann, dann wird jeder diesseitige Augenblick unendlich kostbar. 

Jeder Moment – unwiederbringlich wie er ist – muss ausgenutzt werden, am besten gleich mehrfach: Bahnfahrend zum Fenster hinaussehen, Musik hoeren, einen Text schreiben und ihn mit Freunden teilen. Es gibt so vieles zu lesen, zu erleben, gibt so viele Filme, die man noch sehen will. Alles ist moeglich, Karriere und Familie, Lust und Bildung, Geld und Erfolg, man muß sich kümmern, dranhalten. Ein Bildungsschritt weiter und neue Chancen eroeffnen sich, Leasing statt Kauf macht Automarken möglich, die sonst nicht gingen, man muß nur die Finanzierung im Auge behalten.

Kontemplation als Instant-Produkt „please relax and meditate now“, dreimal die Woche ins Sportstudio, dazwischen Dauerlauf, am Wochenende Yoga retreat. Termin mit dem Beziehungcoach am Dienstag. 

Airplanes verbinden Metropolen im Stundentakt, jede halbe Stunde Reisezeitverkürzung ist uns gewaltige Erdarbeiten wert, so toll ist Bahnfahren dann auf Dauer doch nicht. Kaum in der Ferne angekommen rufen wir gleich zuhause an und klären unsere Angelegenheiten.

Unbegrenzter Informationszugriff und so arg begrenzte Lebenszeit! Eine griechisch anmutende Tragödie, Narziß, von seinem geliebten Spiegelbild, zum greifen nahe, doch auf immer getrennt, Midas mit der Wundergabe alles zu Gold zu machen, was immer er berührt, leider auch das Brot und die Oliven, von der Tochter ganz zu schweigen.

Prediger treten auf und verkünden, daß weniger mehr sei und man sich auf das wirklich wesentliche besinnen solle. Abgesehen davon, dass sie dazu in ihren intellektuellen Jutebeuteln bloß den Rückgriff auf religiöse Seinsgewissheiten von früher, Familienbande und frugale Ernährung im Angebot haben, wäre Beschränkung, soweit sie nicht eh schon grausam durch die beschriebenen Gegebenheiten auferlegt ist, Verschwendung und Undankbarkeit. Undank gegenüber einem gütigen Geschick, das uns hier in eine Zeit voller Möglichkeiten gestellt hat, die in dieser Fülle unabhängig vom individuellen Einkommen noch keiner Menschheit zur Verfügung stand. Auch wer kein Geld für den Golfclub erübrigt- für den Benutzerausweis der Stadtbücherei reicht es allemal. Und wo größerer Reichtum wartet ist durchaus offen.

Von antiken Gelagen, die ganz dekadent jetzt in den Alltag aller Schichten zurückkehrten, war neulich im laufenden Politikgeplapper die Rede. Nun denn, wenn das tatsächlich stimmen sollte und sich nicht nur auf Pommes und Bier beschränkt, wunderbar möchte man ausrufen und sich über die fortgesetzte Lebensgier nach all den langen Kriegen und der vielen Not von Herzen freuen.
  

China Almighty

September 17, 2010

Nachrichten aus China scheinen inzwischen aus einer anderen Dimension zu kommen, als derjenigen in der wir uns aufhalten. Es liegen offenbar immer mehrere Zehnerpotenzen zwischen unseren Vorstellungen und dem, was heute in China stattfindet.

So will die Firma Foxxcon ihre Mitarbeiterzahl um 400.000 auf dann ca. 1,3 Mio Menschen aufstocken. Wahrscheinlich kennte kaum jemand das Unternehmen in Deutschland, wenn es nicht vor einigen Wochen aufgrund einer Selbstmordserie in unseren Schlagzeilen gestanden hätte. Der eine oder andere aufmerksame Leser hat den Firmennamen vielleicht im Zusammenhang mit Lieferengpässen beim IPad gesehen.

1,3 Mio. Mitarbeiter. Wie kann man sich das vorstellen? Zunächst vielleicht der Hinweis, dass die täglichen Schwankungen im Krankenstand der Belegschaft größer sein dürften als die Gesamtzahl der Opel-Mitarbeiter in Deutschland. Wenn 10% der Foxxcon-Mitarbeiter täglich irgendeine Unregelmäßigkeit aufweisen würden (also zu spät kommen, am Abend vorher mal kräftig gefeiert haben, eines Diebstahls beschuldigt werden, frisch eingearbeitet werden,
sich krank melden, fristlos kündigen oder aufgrund eines Managementfehlers zu einem falschen Einsatzort geschickt werden) dann sind das so viele Einzelfälle, wie SIEMENS in ganz Deutschland Beschäftigte hat. 1,3 Mio. Menschen zu managen ist eine Herkulesaufgabe. Kein Wunder, dass der taiwanesische Mutterkonzern über mannlose Fabriken nachdenkt.

Nach einer Vorlaufzeit von zwei Jahren, in denen Trassierungsarbeiten vorgenommen wurden, begann im Juli 2010 die Verlegung der ersten Gleise für die Schnellbahntrasse Peking-Shanghai. Die Fertigstellung wird zum Jahresende erwartet. Jahresende 2010, versteht sich. Eine geografieverändernde Massnahme allererster Güte: Hauptstadt und Wirtschaftszentrum des Riesenreiches, durch rund 1300 km voneinander getrennt, sind dann in 5 Stunden Reisezeit zu erreichen. An 21 Haltepunkten kann zugestiegen werden. Ein ehemals verschlafenes Nest wie Xuzhou bekommt auf einmal eine oberzentrale Lage, weil Peking ebenso wie Shanghai gerade mal jeweils zweieinhalb Stunden entfernt liegen. Die Taktfrequenz der Züge wird 5 Minuten betragen – das schaffen in manchen deutschen Großstädten die U-Bahnen noch nicht mal in der Hauptverkehrszeit. Bei Tempo 380 km/h sollen 220 000 Fahrgäste pro Tag transportiert werden. China kann derartige Schnellzüge inzwischen selbst bauen und verkauft solche nun an Argentinien. Das ist sehr bemerkenswert.

Hier ein aktuelles Video zum Geschwindigkeitsweltrekord dieses chinesischen Personenschnellzugs: http://bit.ly/eOCJRW

Verstopfte Innenstädte führen zu Ideen, auf die wir in Europa nun wirklich noch gar nicht gekommen sind: Der fliegende Bus ist ein Verkehrssystem, für das in Peking eine sechs Kilometer lange Versuchsstrecke gebaut wird.

So soll der Fliegende Bus einmal im Einsatz aussehen

Das mit Solarstrom angetriebene Fahrzeug ist zwei Strassenfahrspuren breit und soll sich mehrere Meter über dem normalen Strassenverkehr auf Schienen bewegen, die rechts und links der Autobahn verlaufen.

Im Bereich der Elektromobilität stehen wir vor einer bemerkenswerten Situation. Sind Schwellenländer wie China bislang hinter den traditionellen Industrieländern hergelaufen und haben in einer dramatischen Aufholjagd versucht, unsere Errungenschaften in Maschinenbau, Design und Elektrotechnik zu imitieren so sieht die Wettbewerbslage bei elektrisch betriebenen Straßenfahrzeugen inzwischen ganz anders aus. Europa, die USA, Japan und China gingen bei dieser völlig neuen Technologie an der selben Nulllinie an den Start. BYD (ein Firmenkürzel, den bislang kaum jemand in Europa flüssig aufzulösen im Stande war) stellt mit dem E6 ein mittelstreckentaugliches Elektroauto vor, das in der neuen Branche Maßstäbe setzt. Und mit 130 Mio Pedelecs setzt China sich bis auf weiteres uneinholbar an die Spitze der umweltvertäglichen urbanen Mobilität.

Dieser Artikel wurde u.a. angeregt durch die Lektüre des China-Telegramms 4-10 der IHK Köln, dort finden sich auch eine Reihe von Belegstellen

Die Zukunft der Zeitung

August 12, 2009

Um es gleich zu sagen: die Zeitung der Vergangenheit hat keine Zukunft.

 

Die liebe Gewohnheit, morgens überdimensionierte Doppelseiten zwischen sich und die Gattin zu halten, das raschelnde Papier in die Marmelade zu tunken und mit Butter zu beschmieren, ist ein Auslaufmodell.

Der Aufwand für dieses geheiligte Kulturgut ist einfach unvertretbar hoch – das konnte man nur solange akzeptieren, wie es keine Alternative dazu  gab.

Der Aufwand: Wälder roden, Bäume raspeln, Tonnen von Material über halbe Kontinente schleppen, unendliche Wassermassen versauen, um allerfeinstes Papier auf Rollen zu zu drehen, die wieder hunderte von Kilometern über die Autobahnen gefahren werden müssen, um schliesslich in einer modernen Druckerei mit richtig grossem Maschinenpark bedruckt, geschnitten und gefaltet zu werden. Nach der Produktion die Distribution: LKWs bringen die Morgenzeitung hinaus ins Land, kleinere Transporter in grosser Zahl übernehmen die Belieferung von Bahnhofskiosken und Verteilerstützpunkten, wo sie von Rentnern und Schülern aufgenommen und für kleines Geld per Moped, Fahrrad oder per pedes an die Haustüren der treuen Abonnenten getragen werden.

Wir überfliegen dann die Schlagzeilen, stellen fest, dass der Inhalt der Abendnachrichten im Fernsehen recht genau auf der Titelseite unseres Blattes abgebildet worden ist, stimmen einem Leserbrief kraftvoll nickend zu und ereifern uns über eine lokale Nebensächlichkeit.

Dann ist die Zeitung Altpapier. Zukunftsperspektive Recycling: Im Laufe der Zeit schleppen wir Zentner um Zentner vergangener Neuigkeiten zum Sammelcontainer – beeindruckend zu sehen, wie der ganze Infomüll von einem Schwerlastwagen mit starken Hydraulikarmen abgeholt wird. Was verbraucht ein solcher Riese auf 100 Kilometer? Welcher chemikalischen Schweinereien bedarf es, um das Papier von der Druckfarbe zu trennen? Wieweit wird der graue Restmatsch noch gefahren, um wieder zu frischem Papier zu werden?

Imaginieren Sie die Papiermassen, die aufgrund der deutschen Zeitungslandschaft bewegt werden müssen, erweitern Sie entsetzt den Blick auf den österreichischen und französischen Blattmarkt und vergessen Sie nicht: auch die Russen, Dänen, Inder und Chinesen lesen, lesen und lesen Tag für Tag mit gierigen Augen ganze Wälder zum Teufel.

Auch Joghurt hat einen langen Weg hinter sich, bis er uns erreicht und seine Halbwertszeit in unserem Hause ist ähnlich kurz wie die des Diskounterprospekts, schon richtig. Aber Dickmilch kann man nicht digitalisieren, Informationen schon.

Eigentlich ist damit alles gesagt – nur mit dem Aufschrei  der Massen muss man noch umgehen:

Die Zeitung ist unverzichtbar, ein Kulturträger per se, nur das Blatt gibt uns Informationen über den Tellerrand hinaus, niemand will die Zeitung auf einem LED Schirm lesen, das ist nicht schön, nicht gemütlich, das wird sich nie durchsetzen.

Klingt so, wie die Kommentare minitaturenmalender Mönche zu den klecksigen Wiegendrucken, hört sich an wie das Wehklagen der Bildungsbürger, als Rowohlt anfing, heiligste Klassiker per Rotationsdruck billig herzustellen und mit Klebebindung zusammengepappt in den Handel zu bringen. Und wahrscheinlich ist die erste Zeitung selbst auch mit Schmährufen empfangen worden.

Die Zeitung als energiefressender Papierhaufen ist ein Dinosaurier, der es nur noch nicht gemerkt hat. Die Zeitung als umfassendes Informationsportal, das tagesaktuell Ereignisse im Zusammenhang darstellt und kommentiert, das uns hilft, unsere eigene Meinung zu bilden auf einem Niveau, an das wir uns herantrauen, wird auch weiterhin gebraucht werden und ihren Markt finden.

Oh ja – der Markt: da ist etwas dummes passiert: Irgendeine Zeitung ( war es in Deutschland nicht die TAZ?) hat angefangen, ihre redaktionellen Beiträge ins Netz zu stellen. Kostenlos. Kalkül: die Menschen sollen sehen, was wir alles wissen und sie werden dann unser Blatt abonnieren oder am Kiosk kaufen. Das ging nicht auf. Information wurde verfügbar im Rahmen der Flatrate, einfach so. Warum soll ich für Nachrichten bezahlen, die morgen erst im Briefkasten liegen werden, wenn ich sie heute schon unentgeltlich bekommen kann? Ich bin doch nicht blöd, oder?

Naja – hier hilft Kant und sein kategorischer Imperativ vielleicht weiter: Formuliere die Maxime Deines Konsumverhaltens so, dass auch morgen noch jemand bereit ist, für Dich zu arbeiten.

Ich sehe eine Teilung der Informationsgesellschaft vor mir: eine Unzahl billiger Schnipsel blinkender und tönender Scheinnachrichten ohne Angabe des geistigen Massstabes für diejenigen, die sich damit begnügen wollen, können oder müssen einerseits. Andere werden den Bedarf entwickeln, hochpräzise, belastbare und kommentierte Sachinformationen zuverlässig und zeitnah zu erhalten – und sie werden dafür bezahlen wollen oder müssen, wenn ihre berufliche Existenz oder ihr sozialer Status davon wesentlich abhängt.

Die Zeitungsredaktionen und die Fachverlage stehen hier vor einer gewaltigen Herausforderung. Und es kann uns überhaupt nicht egal sein, ob den alten Blattmachern ein Geschäftsmodell einfällt, mit dem sie uns auch morgen noch mit guten, richtigen und wahren Informationen beliefern können.

Ich will alsbald in meinem Lesezimmer sitzen und auf die grosse OLED-Wand die hübsche, altmodische Simulation eines Pariser Zeitschriftenstandes projezieren, um dann das eine oder andere Blatt zunächst zur Hand zu nehmen, mir denTenor der Headlines anzusehen, um mich schliesslich für meine liebe alte Badische Zeitung oder die Cybernews aus Rejkiawik zu entscheiden. Und die bezahle ich dann auch, ist doch klar.

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Auf dem Mond ein Feuer

April 29, 2009

Norman Mailer wurde 1969 von der NASA eingeladen, ein Buch über das Apollo 11 Unternehmen zu verfassen. Neben all den Artikelchen in den Bunten Illustrierten wollte man gerne auch etwas Gedankenschweres der Nachwelt hinterlassen. Und wählte einen intellektuellen Modeautoren aus, der sich mit einem Anti-Kriegsroman schon in die Herzen der Linken geschrieben hatte. Mutig, kann man sagen.

Mailer schreibt ein großartiges Buch über ein noch viel großartigeres Unternehmen. Es ist die Reise eines Technik-Skeptikers, der anfangs das ganze Apollo-Projekt für einen ziemlichen Fierlefanz hält, hin zu einem tiefen Verständnis für die komplexen Vorgänge und Strukturen, die aufgebaut werden mussten, um dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen. Faselt er zu Beginn des Buches noch ziemlich viel metaphysischen Unfug daher, bemüht Gott und Teufel, erklärt Astronauten zu Hohepriestern einer bürgerlichen Technikkultur, so erschliesst sich seinem Alter Ego Aquarius im Verlauf seiner zunehmend präzisen Betrachtungen des Vorhabens aus unterschiedlichen Blickwinkeln der ganz weltliche Riesenapparat dieses Unterfangens.

John F. Kennedy hat seinem Land einen unschätzbaren Dienst erwiesen, als er das Ziel verkündete, in einem sehr kurzen Zeitraum von weniger als einem Jahrzehnt einen Menschen zum Mond und sicher zurück zu bringen. Erst große Herausforderungen und schier unerreichbare Ziele wecken im Menschen wirkliche Kreativität. Mailer zeigt, wie die technischen Anforderungen des Apollo-Projektes den Erfindungsgeist der amerikanischen Industrie angefacht hat und schliesslich – nach dem grauenhaften Unglück, bei dem eine ganze Crew in der Kommandokapsel ihres Raumschiffes verbrannt ist – zu einem ganz und gar neuen Verständnis für Qualitätsarbeit geführt hat.

Der Unterschied zwischen Physik und Technik liegt darin, daß der Physiker zeigt, wie etwas prinzipiell zu machen ist – der Techniker sorgt dafür, daß es dann auch tatsächlich funktioniert. Das sind zwei ganz verschiedene Welten und Mailer läßt es uns verstehen. Er gibt uns eine Vorstellung davon, daß jeder der vielen Aspekte des Projekts aus einer großen Anzahl von gelösten Problemen besteht. Der Treibstoff der Saturn-Rakete etwa muß über eine beachtliche Entfernung durch Rohrleitungen gepumpt werden. Und seine Temperatur befindet sich dabei nahe dem Absoluten Nullpunkt. Und dazu muß der Raketensprit unter immensem Druck stehen. Allein die Entwicklung der dazu notwendigen Pumpen, Dichtungen und Ventile hätte die USA an die Spitze der Industrienationen katapultieren können. Und was war noch alles nötig, um diesen Turm aus 300 Tonnen Technik zum Abheben zu bringen: Hochleistungsrechner, die möglichst klein sein sollten, Batterien mit möglichst kleinem Gewicht, Raumanzüge, beweglich und dennoch absolut dicht unter extremsten Bedingungen und 100000 andere Lösungen, an denen 500000 Menschen ein Jahrzehnt lang gearbeitet haben.

Mailer hat auch gleich nach der Landung des Adlers die Frage aufgeworfen, ob das vielleicht doch alles nur ein Hollywood-Schwindel war. Er gibt schaudernd zu bedenken, welches gigantische Ausmass eine Verschwörung haben müsste, die einen solchen Fake zu erzeugen im Stande wäre. Und folgert, daß das vorhandene politische Personal auf gar keinen Fall das Zeug dazu hätte.


Der Titel des Buches, Auf dem Mond ein Feuer, hat auch in der deutschen Fassung eine nahezu magische Intensität. Worauf bezieht sich dieses Bild? Ist es eine Metapher, ähnlich die des Leuchtturms, den wir an einer neuen Grenze der Zivilisation aufstellen? Nein, nein. Auf dem Mond ein Feuer bezieht sich auf den dramatischsten Moment dieser ganzen Mission: Dem Wiederaufstieg vom Erdtrabanten zurück zum Mutterschiff in der Mondumlaufbahn. Waren alle anderen Systeme des Projektes mehrfach redundant angelegt, so war das Triebwerk der Rückkehrkapsel ganz und gar solitär. Es war nur ein einziger Versuch für die Zündung vorgegeben. Nur ein einziges Mal bestand die Chance, dass durch die Vereinigung zweier Brennstoffkomponenten eine spontane Zündung erfolgte. Niemand wußte wirklich, ob es gelingen würde, auf dem Mond ein Feuer anzuzünden.

Es hat ja geklappt. Aber wenn diese Zündung nicht erfolgt wäre, hätte sich die Weltgeschichte definitiv anders entwickelt. Die Welt hätte zusehen müssen, wie zwei Astronauten bei vollem Bewußtsein ihrem unausweichlichem Ende entgegengehen, unendlich weit weg. Und Collins hätte zum letztmöglichen Zeitpunkt sein Raumschiff aus der Mondumlaufbahn zurückkatapultiert, um die einsamste Heimreise anzutreten. Die amerikansche Öffentlichkeit hätte diese Niederlage nicht verwunden, das Projekt Apollo wäre gescheitert gewesen, alle Kritiker, Skeptiker und Astrologen wären bestätigt worden – der Mond ist kein Ort für Menschen. Und ohne die Euphorie, die der glücklichen Landung folgte, hätte es keinen Schwung für weitere Vorhaben der bemannten Raumfahrt gegeben.

Dass es auf dem Mond ein Feuer gegeben hat, war einer der wichtigsten Augenblicke des 20. Jahrhunderts.

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Leben im All

April 18, 2009

Urbi et Orbi (EP) album cover
Image via Wikipedia

Die Frage, ob extraterristisches Leben existiert oder nicht, läßt sich wohl schon beantworten, selbst wenn uns kein Beweis vorliegt.

1. Das Phänomen Leben ist an sich vollkommen unwahrscheinlich: irgendwelche Moleküle finden sich zusammen und bilden Flechten, Dackel, Saurier oder Blondinen.

2. Leben findet auf diesem Planeten unter einer doch recht breiten Palette widriger Umstände statt: Eiswüste, Tiefsee, heisse Quellen, Salztümpel, einfach überall hier

Wir müssen anerkennen, dass Leben eine Eigenschaft der Materie ist, so wie wir Spektrallinien oder die Gravitation hinnehmen müssen, ohne ihren Ursprung bereits zu verstehen.

Wenn das vollkommen unwahrscheinliche Leben eine Eigenschaft der Materie ist und sich von feindlichen Umständen offenbar über sehr lange Zeiträume auf der Erde nicht abschrecken liess, dann ist es sehr unwahrscheinlich, dass dieses Phänomen nur gerade hier existiert – Angesichts einer beeindruckenden Zahl von Galaxien und Sonnen.

Das Universum muß voll sein mit Leben – so voll wie jede Pfütze es war, auch bevor wir das Mikroskop erfunden haben.

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Mit dem QR Code ist das so wie mit dem Fernsehen 1957: wer sollte für ein lausiges Programm einen teuren Fernsehapparat kaufen wollen und wer sollte für die paar Zuschauer in ein gescheites Programm investieren?

Ganz ähnlich war das 1450, als Gensfleisch den schnellen und billigen Druck entwickelt hat: für wen Bücher drucken, wenn kaum einer lesen kann (ausser Mönchen und Pfaffen, deren eigenes Geschäftsmodell er damit infrage stellte) – und wozu sollte ein Bauernbub lesen lernen, sollte man ihm gar eine Schule hinstellen, wo es doch so gut wie keine Bücher gab?

Naja – trotzdem wurde das ein ziemliches Erfolgsmodell 😉

Nachfolgende Grafik über die Verbreitung des Buchdruckes in 10-Jahresschritten stammt aus Wikipedia.

Verbreitung des Buchdrucks weltweit in 10 -Jahresschritten

Verbreitung des Buchdrucks weltweit in 10 -Jahresschritten

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